Religion vs. Glaube

Jetzt fragen sich wohl einige, was ist nun wieder los? Was soll „Religion vs. Glaube“ denn nun heißen? Ist das nun die Ankündigung für den nächsten Boxkampf am Samstag Abend? Doch weit gefehlt. Mir brennt schon länger eine Sache auf dem Herzen und das ist die Differenzierung zwischen den Begrifflichkeiten „Glauben“ und „Religion“ bzw. zwischen „Gläubigkeit“ und „Religiosität“.

Viele fragen sich nun, „Glauben“ und „Religion“ bzw. „Gläubigkeit“ und „Religiosität“, sind das nicht verschiedene Begriffe für ein und das selbe? Meine Antwort kann ich in einem ganz einfachen, kurzen Einwurf erläutern:

Es gab schon mehrfach die Thematik, dass ich angesprochen werde, dass oder ob ich gläubig/religiös bin. Auf diese Aussage hin, ist es mir sehr leicht zu sagen: „JA! Ich bin gläubig.“ Jedoch weiß ich nicht, ob ich die selbe Aussage auch geben würde bezüglich der Religiosität.

Doch wie kann es zu einer solchen Unterscheidung kommen. Machen wir es doch einfach, wie die meisten, die so etwas klären wollen und fragen wir Wikipedia. Betrachten wir zuerst Glaube:

Das Wort Glaube (auch Glauben) (indogermanisch leubh: „begehren, lieb haben, für lieb erklären, gutheißen, loben“) wird neben der hier nicht behandelten Verwendung im Sinne von „etwas für wahr halten“ verwendet, um eine Grundhaltung des Vertrauens zu bezeichnen, v. a. im Kontext religiöser Überzeugungen.

Betrachten wir nun die Aussage zur Religiosität:

Religiosität bezeichnet die unterschiedlichen Arten von Glaubenshaltungen und deren Ausdrucksweisen (Riten, Werte, moralische Handlungen), mit denen Menschen sich auf eine welttranszendente Letzt-Wirklichkeit (unpersonal oder personal Göttliches) oder auf überweltliche Mächte (Geister, Engel) beziehen.

Sprich, der Glaube oder die Gläubigkeit bezieht sich darauf, auf Transzendentes, wie beispielsweise ein Konstrukt wie einen Gott oder ähnlichem zu glauben. Und Religiosität eher die Ausprägung dieser Gläubigkeit, also die spezifische Form der Manifestation der Gläubigkeit, des Glaubens und der Glaubensbekundung.

Meiner Ansicht nach, ist es sehr schwer zu sagen, dass man religiös ist. Denn jeder hat seine höchstpersönliche Einstellung dazu, wie die Glaubensbekundung und der Glaube aussieht. So bekomme ich, der ich ja auch lange Zeit in der kirchlichen Jugendarbeit tätig bin und war, regelmäßig zu hören, dass ich ja wohl jeden Sonntag mindestens in der Kirche Messe feiern müsste, etc.! Doch sind diese Tempel, die wir Menschen unseren Göttern erbauen besser, um mit ihnen in Kontakt zu treten, als dies in freier Natur zu suchen, in stiller Einsamkeit oder mit anderen Menschen an einem x-beliebigen Ort?

Auch ist die Sache, dass, wenn man die meisten Religionen dieses Planeten betrachtet, es viele Parallelen gibt, jedoch auch Unterschiede. Und sogar dermaßen Unterschiede, dass Menschen es für ihre Pflicht sehen oder sahen, dafür in den Krieg gegen andere Menschen zu ziehen und deren Leben ein jähes Ende zu setzen. Wieso sollte ich mit meinen religiösen Ansichten mein Urteil über einen nächsten, der andere Ansichten verfolgt, fällen? Habe ich Recht mit meinen Ansichten? Oder er? Oder vielleicht keiner? Oder gar beide? Niemand kann uns diese Antwort geben. Und ich denke, auch wenn wir noch Jahrzehnte weiter forschen, wird sich diese Situation nicht ändern. So lange es noch etwas gibt, was wir nicht verstehen können, so lange gibt es unterschiedliche Ansichten. Manche mögen richtig sein. Andere falsch. Einige hilfreich. Andere unnütz oder überflüssig. Aber was bleibt ist, dass jede dieser Ansichten, für die Leute, die ihr Anhängen einen tieferen Sinn besitzen. Ob sich dieser Dritten erschließt oder nicht ist nicht einfach zu sagen.

Ich habe beispielsweise vor inzwischen 9 Jahren meine mündliche Abiturprüfung in evangelischer Religion über Gottesbeweise gehalten. Nun haben die Gottesbeweise ja den Makel, dass sie sehr uneindeutig sind. Sprich es kann nicht die Existenz von Gott bewiesen werden. Jedoch auch nicht komplett die Nicht-Existenz. In dieser Situation hatte mein Chemie-LK-Lehrer und gleichzeitig Schulleiter und Beisitzer am Ende der Prüfung mir die Frage gestellt, wie ich, der ich ein sehr naturwissenschaftslastiges Abitur gemacht habe, denn mit dieser Unbeweisbarkeit der Existenz/Nicht-Existenz Gottes klar kommen kann. Meine exakte Antwort kenne ich nicht mehr. Es muss etwas in der Art gewesen sein:

Ich stimme Ihnen zu. Die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes ist nicht beweisbar. Jedoch ist Religion und Glaube eine Sache, die nicht auf Fakten, Tatsachen und Beweisen fußt, sondern darauf, dass man sie lebt und an sie glaubt. Dies ist unabhängig von der Beweisbarkeit dessen.

Dies war schon damals eine sehr weise Aussage. Auch, wenn ich es damals noch nicht so sehr wie heute fassen konnte. Ich bezweifle nicht, dass es die Ereignisse, die uns in verschiedenen Religionen berichtet wurden so oder so ähnlich gegeben hat. Möglich, jedoch, dass einiges, was als Wunder auftauchte, vielleicht auch einfach der Unwissenheit, um Naturwissenschaften, etc. geschuldet ist. Und sicherlich wird auch einiges, ähnlich wie bei einer Fabel hinzugedichtet sein, um damit eine bestimmte Aussage zu tätigen.
In dieser Hinsicht finde ich jedoch die Aussage wichtig. Ich denke, Religion und Glaube kann nichts statisches sein. Sie unterliegen genauso einem Wandel der Zeit, wie unsere Gesellschaft. Es gibt viele wichtige Normen, die von den Grundsätzen des Glaubens diktiert sind, die wichtig sind.
Somit glaube ich auch, dass es keinen Sinn hat zu sagen, so sieht der Glauben explizit aus, da jeder Mensch ihn für sich passend und für seine Zeit und Umwelt passend in einem Kontext anpassen wird.

Doch wieso überhaupt Religion oder Glaube? Es gibt doch Atheisten, etc. Die brauchen doch auch keinen Gott, Jahwe, Allah oder wie auch immer der oder die Götter heißen sollen.

Der Glaube erfüllt einen wichtigen Punkt im Leben. Er funktioniert zum einen als eine Ordnung, die das Leben des Menschen mit gewissen Werten und Normen in einen Rahmen packt, so dass diese anhand dieser einfacher auf Umstände reagieren können. So sagt uns ein Wert wie Hilfsbereitschaft oder Nächstenliebe, dass, wenn wir einen verletzten Menschen auf der Straße liegen sehen, dass wir ihm helfen oder Hilfe in Form von Notarzt, Polizei, etc. ordern, jedoch nicht dem armen Tropf erst nochmal, da er sich nicht wehren kann, in die Seite treten.

Ähnlich ist auch die Sache, weshalb bei den meisten Glaubensrichtungen ein oder mehrere Götter in welcher Form auch immer geschaffen worden sind. So ermöglichen es Götter, ihnen von den Ängsten, den Lasten und was auch sonst die Seele belastet, zu erzählen, und sogar ihren Beistand in ihrer Domäne zu erbitten. Somit erhalten Menschen durch die Götter einen geistigen Beistand, so dass sie nicht der Meinung verfallen, dass sie all dem wehrlos und unfähig gegenüber stehen.

Daher ist meine Aussage, die ich an dieser Stelle treffen möchte, folgende:

Meiner Ansicht nach, ist Glaube etwas schwer Greifbares, nicht Beweisbares, wahrscheinlich für jeden Menschen anders Gestaltetes. Es bietet Werte und Normen, sowie einen Rückhalt. Jedoch kann man die Religiosität schwer feststellen, da dies auf den spezifischen Glauben ausgeht, den der einzelne grad betrachtet.

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